Warum ich Antisemit bin

Ja, richtig gelesen. 14 Jahre deutsche Schule haben nicht geholfen, 1.000 Sendungen Guido Knopp haben nicht geholfen und auch nicht die unzähligen Zeitdokumente über die Greuel in den Konzentrationslagern und Ghettos haben mich nicht zu einem Semitenfreund machen können. Ich bin offenbar unbelehrbar. Deutscher, Rassist, Antisemit. Obs an den Genen liegt?

Man weiss es nicht. Auf den Antisemiten in Selbstbezeichnung komme ich, weil ich Israel kritisiere. Der Judenstaat ist ein tolles Gebilde und sollte erhalten bleiben. Genauso wie in ihm die Leute, die das Land zu einem sehr interessanten Ort machen. Nur, wie so vielen gefällt mir die Palästinapolitik nicht mit der sich Israel – Achtung hier kommts – schuldig macht, als Volk an einem anderen Volk.

Ich bin durchaus bereit, die Sache differenziert zu sehen. Denn ich meine nicht alle Israelis (vulgo Juden), wenn ich meine Kritik ansetze, ich meine nicht die Regierung als Ganzes, welche sich für die meines Erachtens begangenen Verbrechen schuldig macht. Nein, es ist eine Minderheit unter ihnen mit Blut an den Händen.

Die in meinem antisemitischen Fokus stehende Minderheit macht insgesamt vielleicht 20% der Gesellschaft Israels aus, ist aber hemmungslos überrepräsentiert in der strategischen Ausrichtung des Staates. Es sind Leute, die noch immer von einem Grossisrael träumen, das wahlweise reicht vom Mittelmeer bis zum Jordan, oder gar bis zum Euphrat.

Diese Personen haben den Staat Israel in ihrem Würgegriff. Sie bestimmen die Sicherheitsagenda und die kompromisslose Haltung gegenüber palästinensischen Interessen, so sehr legitim oder gar rechtens diese auch sein mögen. Sie nehmen gerne in Kauf, dass ein rießiges Hasspotential in der arabischen Nachbarschaft gärt, um ein paar Hügel ihrer alttestamentarisch erwähnten Vorfahren wieder für sich zu gewinnen. Koste es was es wolle.

Diese Gruppe hat sich tief festgesetzt in den Räten der jüdischen Siedlungen in den palästinensischen Autonomiegebieten und sind sogar so tief eingedrungen in den Militärapparat, dass man ihn in einem fairen Organigramm vermutlich um diese Gruppe herum anordnen müsste. Sie halten das Land als Geisel in einem permanenten Ausnahmezustand und richten alle Bürgerinnen und Bürger mit dem Wehrdienst inklusive Fronterlebnis auf die Bedingungslosigkeit eines totalen Krieges um die Existenz aus.

Die Gesellschaft ist zwar säkular, und wenn man den weltoffenen Teil der Israelis kennenlernt, sehr friedfertig, aber es gibt vermutlich keine Entscheidung die mindestens im Unbewussten als nachrangige Entscheidung in Bezug auf eine militärische Verteidigungsfrage gruppiert ist. Als ein Nebeneffekt dessen und quasi als die Ausnahme von der Regel sind die sozialen Proteste im Jahr 2011 anzuführen. Sie wurden intensiv geführt wie selten eine Frage und sie wurde geführt unter expliziter Missachtung des verfressenen Elefanten in der Mitte.

Der Erfolg Israels als Gesellschaft ist nicht möglich ohne Bezugnahme auf militärische Sicherheitsfragen, genauso wenig wie Israel als Staat erfolgreich sein kann unter Missachtung der militärischen Komponente. Diese Verquickung versetzt den Staat in einen rastlosen Ausnahmezustand. Für Lösungen und Antworten aber braucht man nichts mehr als eine Rast und etwas Abstand vom Trubel. Das aber ist nicht Teil der Agenda unter Israels radikaler Minderheit.

Ich schlussfolgere, Israel ist nicht fähig zu einem Frieden mit seinen Nachbarn, Israel als nachaltiges Erfolgsmodell eines modernen Staates ist nicht möglich. So lange das Land sich im Würgegriff einer radikalen Minderheit befindet bleibt es unvollkommen und wird daher irgendwann einmal in nicht allzu weiter Zukunft von der Konsistenz verlangenden Geschichte eingeholt.

Diese Meinung macht mich zum Antisemiten, denn sie verlangt nach Kompromissen.

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2 Gedanken zu “Warum ich Antisemit bin

  1. Tut mir ja leid, Junge (und anders als ‘jung’ kommt der Text bei mir leider auch nicht rueber), du verschluderst da ein paar Sachen.
    Ob du Antisemit oder Rassist bist, kann ich nicht beurteilen. Aber das, was die Politiker (und evtl auch die Waehler) eines Landes machen, ist nicht wirklich gleich zu setzen mit den Menschen einer bestimmten Religion. Selbst wenn Israel nun mal das einzige juedische Land ist. Die Meinung, dass die Sehnsucht nach Kompromissen dich zum Antisemiten macht, ist z.B. sicherlich falsch.
    Deine Kritik an der Politik des Landes ist sicher in Teilen richtig. Darauf werde ich hier aber nicht weiter eingehen, da du den Text ja offensichtlich nicht zum Darlegen einer differenzierten Meinung zur Politik Israels gedacht hast. (Wenn doch – lass die ganzen ‘Ich bin ein boeser Antisemit’-Kruscht weg. )
    Mir ist etwas unklar, was du dann eigentlich bezweckst mit dem Text – schockiert fuehle ich mich nicht, nur dezent genervt, dass sich jemand ohne tatsaechliche Begruendung mit so vielen WIRKLICH schlechten, dummen, kurzsichtigen Eigenschaften tituliert.
    Freundliche Gruesse
    TSeral

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